Fernunterricht, Homeoffice und der ganze Rest

Ich lese so viel jeden Tag in den Sozialen Netzwerken von Eltern über die momentane Situation mit ihren Kindern und den Schulen.

Fast immer läuft es nicht so gut, die Eltern sind gestresst, frustriert und hassen das ganze System.

Ich lese es und es macht mich traurig dass es woander so läuft und ich frage mich, warum wir nur solches verdammtes Glück mit allem haben.

Bei uns läuft das mit den Kindern nämlich eigentlich ziemlich easy. *dreimalaufHolzklopf*

Die Tochter, 5. Klasse, sitzt um 8 Uhr vor ihrem, von der Schule gestellten, Tablet und hat Unterricht nach ihrem normalen Stundenplan. Die Fachlehrer eröffnen den Videochat, erklären einiges, die Kinder können sich melden etc. und sie bekommen Aufgaben die sie dann bearbeiten während der Lehrer weiter online ist. Nach der regulären Zeit beendet der Lehrer die Stunde, es sind Pausen wie sie auch normalerweise an der Schule wären und die nächste Stunde beginnt. Sie haben alle Fächer genau so wie immer. Sogar Sport und Kunst. Im Kunstunterricht malen sie am Tablet, in Sport schickt der Lehrer Tanzvideos und sie sollen die Choreografien üben. Die Tochter macht das auch fleißig und immer wenn ich von oben Getrappel höre, weiß ich, sie hat wieder Sport. Es werden auch genau so Hausaufgaben verteilt wie immer. Wir Eltern haben damit den ganzen Vormittag rein gar nichts zu tun. Genau so, als wäre sie in der Schule. Nach dem Mittagessen macht sie ihre Aufgaben fertig und braucht nur manchmal Hilfe. Ich unterhalte mich später mit ihr über den Tag und wie es läuft und ob sie irgendetwas braucht. Sie ist glücklich und zufrieden, chattet zwischendurch mit ihrer Freundin aus der Grundschule, die leider nur in der Parrallelklasse ist und alles ist eigentlich gut. Sie ist ein tolles Mädchen und ich staune zur Zeit, wie verantwortungsbewusst und fleißig sie ist. <3

Der Mittlere ist in der 2. Klasse. Schon vor dem Fernunterricht hat seine Klassenlehrerin mit Wochenplänen gearbeitet und genau so läuft es auch weiterhin. Er hat einen Zettel der aufgeteilt ist in Deutsch und Mathe (und Sachkunde, aber eher wenig) und in drei Spalten „Leicht“, „mittel“ und „schwer“. Und es gibt eine Spalte für Hausaufgaben, jeweils eine täglich in Deutsch und Mathe. Die Hausaufgaben sind für die Wochentage fest gelegt. Die leichten und mittleren Aufgaben des Wochenplans, sollen sie im Laufe der Woche bearbeiten. Die schweren sind für Kinder, die halt schneller fertig sind. Bisher hat der Mittlere diese Aufgaben noch nie angerührt, weil wir froh waren, wenn er das normale Pensum der Woche schafft. So war es jedenfalls bisher beim Unterricht in der Schule. Durch die Klassensituation, hatte er kaum die Möglichkeit voran zu kommen. Jetzt zu Hause, geht es viel schneller. An den Tagen an denen der Mann da ist, sitzen sie nebeneinander in meinem Arbeitszimmer, der Sohn macht seine Aufgaben und der Mann schaut mal drauf und animiert zum Weitermachen, wenn es plötzlich spannender wird den Radiergummi zu schnitzen. An den Tagen an denen ich da bin, wusle ich gleich nebenan in Sicht- und Hörweite herum und bin immer da.
Einmal am Vormittag hat er einen Videochat mit seiner Lehrerin und 4 anderen Klassenkameraden. Sie hat mehrere Gruppen mit jeweils 5 Kindern gebildet mit denen sie nacheinander jeweils für 30-60 Minuten Unterricht macht. Das ist immer sehr niedlich. :-) In der Zeit ist er allein im Zimmer und die Tür ist zu.
Nach dem Mittagessen machen wir dann meistens die Hausaufgaben für den Tag.
In dieser Woche ist er schon total weit und kann schon morgen, am Donnerstag, die schweren Aufgaben anfangen. :-)

Und der Jüngste? Der ist natürlich auch zu Hause. Und es funktioniert gut, dass er, während die Großen Schule machen, im Kinderzimmer Hörspiele hört und dabei Lego baut. Er kommt nur alle naselang mal und verlang nach Snacks. :-) Er ist da zum Glück sehr pflegeleicht. Da er sich aber auch oft mit seinem Bruder streitet wenn sie zusammen im Zimmer sind, genießt er wohl mal die ruhige Zeit allein am Legotisch.

Montags habe ich frei und der Mann fährt ins Büro (wo er allein ist)
Dienstag und Mittwoch macht er Homeoffice und ich fahre bis 12 Uhr ins Büro. Er kann schon in dieser Zeit arbeiten, aber natürlich nicht so intensiv. Das macht er dann, wenn ich nach Hause komme. Da sucht er sich dann eine ruhige Ecke. Etwa 16/17 Uhr macht er dann Feierabend.
Bisher bin ich Donnerstags auch immer ins Büro gefahren, schließlich arbeite ich drei Tage pro Woche.
Ab dieser Woche werde ich Donnerstags aber Homeoffice machen und der Mann fährt da nochmal ins Büro. Freitags, wenn ich wieder frei habe, kann er nicht fahren, weil da die Kollegin ihren Büro-Büro-Tag hat :-)
Da gerade nicht soviel zu tun ist und ich nicht vor Ort sein muss, geht das gut.
Die Herausforderung wird sein, dass ich zu Hause wirklich arbeite und nicht den Haushalt mache.

Ja, so läuft das bei uns. Es ist leicht und das ist mir auch bewusst und ich bin undendlich dankbar.
Wir haben Glück mit unseren flexiblen Jobs, wir haben Glück mit den Schulen die das sehr gut machen, wir haben Glück mit unseren tollen Kindern die so gut mitziehen, wir haben Glück mit unserer Gesamtsituation, dass uns das Isolieren kaum etwas ausmacht, weil es vorher nicht viel anders war.

Ich empfinde es sogar viel stressfreier die Kinder zu Hause zu haben, als täglich jemanden irgendwohin zu fahren und abzuholen.

Aber mir ist absolut klar, dass wir sehr gesegnet sind mit allem und dass es anderen Familien extrem schlecht geht. Ich hoffe, dass es für diese bald wieder besser wird.

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